Digitale Plattform -
Werte & Gesellschaft


Die Digitale Plattform - Werte & Gesellschaft macht das Wissen und die Erfahrungen aus Clubs und Distrikt zugänglich. Sie verbindet konkrete, bereits umgesetzte Projekte mit Vortragsideen, Speaker-Kontakten und Angeboten, die gemeinsam weiterentwickelt werden können.

Nutzen Sie die Suche oder kombinieren Sie Themenfeld, Format und Kooperationsebene. Die Kennzeichnungen zeigen, ob es sich um ein Praxisbeispiel, ein wiederholbares Programm oder eine noch offene Idee handelt.

Ideen finden · Erfahrungen nutzen · gemeinsam handeln

Projekte, Formate und Impulse

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44 Treffer

Demokratie & WerteHands-on / SpendePraxisbeispiel

Zehn Koffer für Demokratie und Kinderrechte

Die Gepäckstücke sind bis oben hin mit ausgewählten Spielen, Büchern und Infomaterialien gefüllt, die auf spielerische Art und Weise demokratische und solidarische Werte schon in frühem Alter vermitteln.

Aufwand
Materialzusammenstellung plus Kosten pro Koffer
Format
Hands-on plus Spenden
Club
RC Offenbach-Einhard
Kontakt
Torben Henze (torben@ut-international.de)
Links
Kreis Offenbach · Bericht im Rotary Magazin
Im Interview
Modesta Schubert
Interview mit Modesta Schubert

Im Gespräch

Modesta Schubert – Demokratiekoffer

Demokratie lässt sich nicht nur erklären – sie muss erlebt werden. Modesta Schubert zeigt, wie der Demokratiekoffer bereits Kindergarten- und Grundschulkinder an Teilhabe und Kinderrechte heranführt.

Begleitartikel zum Video als PDF
Demokratie & WerteLernkofferWiederholbares Programm

Demokratie-Lernen: Demokratie-Labor

Das Demokratie-Labor steckt in einem kleinen Reisekoffer und steht Schulklassen ab der 6. Klasse bei der Gestaltung gezielten Unterrichts oder für Freistunden zur Verfügung, um ausgewählte Werte und soziale Verhaltensweisen, die mit „Demokratie“ in Verbindung stehen, wieder zu erlernen oder zu verstehen.

Zielgruppe
Schulklassen ab der 6. Klasse
Club
RC Baunatal
Links
Projektseite · RC Baunatal
Demokratie & WerteUnterrichtsmaterialIn Planung

Unterrichtsmaterial „Navigator Demokratiebildung“ – Jahrgangsstufen 5–7

Geplant sind die Spende der Materialien sowie Impulsgebung und Vernetzung in Kooperation verschiedener Rotary Clubs und einer Gesamtschule.

Kontakt
Monika Bohn, RC Demokratie leben (m.bohn@prosolco.de)
Reifegrad
In Planung
Demokratie & WerteBildungsprojektIn Planung

Fair gewinnt – Gemeinsam wachsen. Verantwortung leben.

Sport als Motor für Wertebildung und Demokratie: ein gemeinsames Bildungsprojekt der Sportklassen 5–9 einer IGS in Kooperation mit verschiedenen Rotary Clubs und Vereinen.

Spenden finanzieren Fahrten zu außerschulischen Lernorten sowie externe Referentinnen und Referenten. Hands-on entstehen ein regionales Netzwerk, Kontakte zu Fachleuten aus Sport, Wirtschaft und Gesellschaft, Workshops, Projekttage und Begegnungen mit Persönlichkeiten, die für Fairness, Verantwortung und gesellschaftliches Engagement stehen.

Kontakt
Monika Bohn, RC Demokratie leben (m.bohn@prosolco.de)
Reifegrad
In Planung
Demokratie & SchuleVideoprojektAusgezeichnetes Praxisbeispiel

Demokratie- und Wertebildung in der Schule

Die Carl-Bantzer-Schule (KGS) in Schwalmstadt-Ziegenhain wurde für ihr besonderes Engagement in der Demokratiebildung als „Influencerinnen und Influencer für unsere Demokratie“ ausgezeichnet.

Die Klasse 7G setzte sich in einem selbst produzierten Videoclip mit grundlegenden demokratischen Werten auseinander: Was wäre, wenn nicht alle Menschen gleichbehandelt würden, nur eine Religion erlaubt wäre oder nur eine Meinung erlaubt wäre? Die Schülerinnen und Schüler beantworten diese Fragen anschaulich und eindringlich.

Unter rund 100 hessenweit eingereichten Werbeclips erreichte der Beitrag den zweiten Platz. Ausgezeichnet wurde er vom Ministerium für Bildung, Kultur und Chancen sowie vom Hessischen Justizministerium.

Kontakt
Marion Temme, RC Homberg/Efze (marion.temme@t-online.de)
Video
Clip ansehen
Interview mit Marion Temme

Im Gespräch

Marion Temme – Werte bei Rotary & in der Schule

Respekt, Verantwortung und ein gutes Miteinander müssen im Schulalltag immer wieder eingeübt werden. Marion Temme zeigt, wie Rotary Schulen unterstützen kann und wie Jugendliche daran wachsen, eigene Projekte vorzustellen.

Begleitartikel zum Video als PDF
Demokratie & TeilhabeHands-onPraxisbeispiel

Das Mitmachhaus der Carl-Bantzer-Schule

Das Mitmachhaus ist ein lebendiger Ort, an dem Kreativität, Gemeinschaft und soziales Lernen aktiv gelebt werden. Schülerinnen und Schüler setzen dort eigenständig oder gemeinsam mit Lehrkräften und Schulsozialarbeit kreative und soziale Projekte um.

Ein gewähltes Organisationsteam aus Schülerinnen und Schülern, Schulsozialarbeit, SV-Lehrkräften und Schulleitung koordiniert die Weiterentwicklung und richtet sie an den Bedürfnissen der Schülerschaft aus.

Von der Idee zur Nutzung des ehemaligen Hausmeisterhauses über pädagogisches Konzept, Finanzierung und Anschaffungen bis zu Renovierung, Möbelbau und Terrassensanierung wurden alle Schritte gemeinsam geplant und umgesetzt. Das stärkt Verantwortungsbewusstsein, Kreativität und Gemeinschaftsgefühl.

Kontakt
Marion Temme, RC Homberg/Efze (marion.temme@t-online.de)
Quelle
Bericht der Carl-Bantzer-Schule
Interview mit Marion Temme

Im Gespräch

Marion Temme – Werte bei Rotary & in der Schule

Respekt, Verantwortung und ein gutes Miteinander müssen im Schulalltag immer wieder eingeübt werden. Marion Temme zeigt, wie Rotary Schulen unterstützen kann und wie Jugendliche daran wachsen, eigene Projekte vorzustellen.

Begleitartikel zum Video als PDF
Erinnerung & BildungUnterrichtsangebotMaterial vorhanden

Holocaust/Shoa im Unterricht

Ein konkretes Bildungsangebot durch die Kooperation von Rotary und Schulen beziehungsweise Bildungseinrichtungen. Schulungsmaterial und der Bericht einer Holocaust-Überlebenden liegen vor.

Kontakt
Torsten Krückemeier, RC Gießen Altes Schloss, Polizeipräsident Mittelhessen (Torsten.Krueckemeier@polizei.hessen.de)
Interview mit Torsten KrückemeierInterview zum Lesen
Porträt von Torsten Krückemeier

Torsten Krückemeier

RC Gießen Altes Schloss · Polizeipräsident Gießen

Über Dekaden lebten wir in Freiheit und Frieden. Doch nun scheint unsere Sicherheit fragil. Claus Peter Müller v.d. Grün, Peace Chair im Distrikt 1820, spricht darüber mit rotarischen Freundinnen und Freunden, die gerne mit den Clubs kooperieren.

Lieber Torsten Krückemeier, die Welt ist geopolitisch, technologisch und ökonomisch im Umbruch. Wächst damit auch die gefühlte Unsicherheit der Menschen in Deutschland, zum Beispiel die Angst, Opfer einer Straftat zu werden?

Die Welt wird komplexer und Veränderungen vollziehen sich, zumindest in unserer Wahrnehmung, immer rasanter. Die Zusammensetzung unserer Gesellschaft und unser Zusammenleben haben sich im letzten Jahrzehnt, zuletzt auch durch die Pandemie, stark verändert. Diese Herausforderungen verunsichern viele Menschen, obwohl wir objektiv nach wie vor in einem sehr sicheren Land leben. Interessanterweise zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V., dass die Kriminalitätsfurcht der Bevölkerung in Deutschland von 2005 bis 2023 eher ab- als zugenommen hat. Das Bild, was sich in den Medien und der Öffentlichkeit abzeichnet, spiegelt dies in meiner Wahrnehmung leider nicht so wider. Ein Verstärker ist sicherlich auch, dass wir mittlerweile einzelne Taten über verschiedene Medien mehrfach wahrnehmen, ohne dass wir in der Lage dazu wären, die Doppelungen herauszufiltern.

Vor was und vor wem haben denn die Menschen Angst?

Wir Menschen haben Angst vor Veränderungen und dem Ungewohnten. Daneben erfahren wir heutzutage viel schneller und viel häufiger von Straftaten, die uns grundsätzlich gar nicht tangieren. Ein Tötungsdelikt auf dem amerikanischen Kontinent hat grundsätzlich wenig Einfluss auf unsere objektive Sicherheit in Deutschland. In unserer Wahrnehmung wird die Welt dadurch dennoch „schlechter“ und unser Sicherheitsempfinden kann leiden.Insofern ist es wichtig, dass wir uns beim Konsumieren von Nachrichten oder Postings der „sozialen Medien“ sehr bewusst machen, um was für einen Sachverhalt es sich handelt. Hat sich dieser in Deutschland abgespielt? Bestand zwischen der geschädigten Person und der beschuldigten Person zuvor eine wie auch immer geartete Beziehung? Ist es die Erstmeldung oder habe ich den Sachverhalt schon mehrfach gehört?

Entspricht die objektiv messbare Lage also der subjektiv gefühlten Lage oder nicht?

Die Polizei unterscheidet bei der Erfassung von Kriminalität zwischen dem Hell-, den zur Anzeige gebrachten Straftaten, und dem Dunkelfeld. Das Bundeskriminalamt versucht das Dunkelfeld regelmäßig durch periodische Befragungen zu erhellen. Insgesamt muss man festhalten, dass sich die Kriminalität stark in den virtuellen Raum verlagert hat, weil dort die Entdeckungswahrscheinlichkeit geringer ist. Zugleich ist insbesondere die Zahl der Delikte der Straßenkriminalität rückläufig. Insofern besteht ein großer Unterschied zwischen der objektiv messbaren Lage und dem Sicherheitsempfinden der Bevölkerung, welches man im Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern erfährt. Umso spannender finde ich die oben genannte repräsentative Studie zur Kriminalitätsfurcht.

Welche Personen oder Gruppen haben das größte Risiko, Opfer einer Straftat durch wen zu werden?

Das ist eine sehr abstrakte Frage, deren Beantwortung sehr umfangreich würde. Tendenziell kann man sicherlich sagen, dass im Bereich der Vermögensdelikte Straftaten zum Nachteil älterer Menschen, sogenannte Enkeltrickbetrügereien, nach wir vor sehr weit verbreitet sind. Im Bereich der Gewaltkriminalität stellen wir wiederkehrend fest, dass sich Täter und Opfer regelmäßig vorher kannten und die Tat durch einen aus dieser Beziehung entstandenen Konflikt ausgelöst wird. Hier kann man beispielsweise an Drogendelikte denken. Das dramatische daran ist, dass die Tat, soweit diese in der Öffentlichkeit stattfand, unser Sicherheitsgefühl negativ beeinflusst, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass wir Opfer werden, relativ betrachtet eher gering ist.

Welche Folgen hat es, wenn tatsächliche und gefühlte Sicherheitslage auseinanderdriften?

Es liegt in der Natur der Sache, dass die objektive Lage selten mit dem Sicherheitsgefühl übereinstimmt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es sich zwangsläufig um ein schlechteres Gefühl handeln muss, als dies die objektiven Daten darstellen. Wenn die gefühlte Sicherheit schlecht ist, kann dies dazu führen, dass sich die Menschen aus dem öffentlichen Raum zurückziehen. Die Kriminologie beschreibt dies sehr schön in der Theorie der sozialen Desorganisation. Diese geht davon aus, dass Örtlichkeiten, aus denen sich die „gesetzestreue“ Mehrheitsgesellschaft zurückzieht, von anderen Gruppen eingenommen werden und sich der Zustand dann aufgrund der schlechten informellen Sozialkontrolle tatsächlich verschlechtert.

Was können und sollten Politik, Polizei aber auch Rotary tun, um die Wirklichkeit und das Bild von ihr zur Deckung zu bringen?

Wir tun alle gut daran, unsere Gefühle zu überprüfen. Es ist unstrittig, dass sich die Gesellschaftsstruktur und das wahrnehmbare Bild von beispielsweise Fußgängerzonen in den letzten beiden Jahrzehnten verändert hat. Dies hat jedoch nicht zwangsläufig dazu geführt, dass sich die Sicherheitslage verschlechtert hat. Insofern müssen wir aktiv mit der Bevölkerung in den Austausch gehen und öffentlich Plätze wieder verstärkt zum sozialen Austausch nutzen. Wir müssen gemeinsam positive Erlebnisse schaffen und alle Gesellschaftsschichten zu einem gewinnbringenden Zusammenleben zurückgewinnen.

Also feiern wir als Rotary ein Straßenfest an einem Ort, von dem sich die Mehrheitsgesellschaft zurückgezogen hat?

Auch wenn es merkwürdig klingt, warum nicht? Allerdings wird ein einziges Straßenfest sicherlich nicht ausreichen. Es geht darum, dass wir unser soziales Zusammenleben wieder mehr in den öffentlichen Raum als vor die Bildschirme verlagern. Zumindest dann, wenn wir etwas ändern wollen.

Stehen Sie als Referent oder Diskussionspartner bereit?

Allein schon aus beruflichem Interesse aber insbesondere aus eigener Überzeugung - selbstverständlich.

Das Gespräch führte Claus Peter Müller v.d. Grün, Peace Chair im Distrikt 1820.

Bildung & GemeinschaftFreizeitangebotWiederholbares Programm

Rotaract KidsCamp

Das Rotaract KidsCamp bietet Kindern einen abwechslungsreichen und kostenlosen Kurzurlaub in einem Zeltlager. Aus einer zunächst einmaligen Kinderfreizeit wurde wegen des großen Zuspruchs ein dauerhaftes Angebot.

Die vollständig über Patenschaften eingeladenen Kinder sind 8 bis 14 Jahre alt. Alle Freizeiten sind religiös und politisch unabhängig. Sie ermöglichen „Urlaub vom Alltag“ und vermitteln Freundschaft, Teamgeist und Selbstwertgefühl.

Zum Programm gehören Sportspiele, Bastel- und Werkangebote, Spiele ohne Grenzen, Waldwanderungen und Lagerfeuerabende. Ein faires und sicheres Miteinander sowie drei hochwertige Mahlzeiten am Tag und eine verlässliche Getränkeversorgung sind Teil des Konzepts.

Zielgruppe
Kinder von 8 bis 14 Jahren
Ansprechpartner
Rotaract KidsCamp Distrikt 1820
Im Interview
Alisa Thies
Interview mit Alisa Thies

Im Gespräch

Alisa Thies – Kids Camp

Eine Ferienwoche voller Gemeinschaft und unbeschwerter Erlebnisse: Das Rotaract KidsCamp schenkt Kindern aus schwierigen Lebenssituationen eine Auszeit. Alisa Thies stellt das gemeinsame Engagement von Rotaract und Rotary vor.

Begleitartikel zum Video als PDF
MINT & BildungFerienprogrammWiederkehrendes Angebot

Schüler-Forschung und MINT-Ferien

Der Future Space in Kassel ist eine außerschulische Bildungseinrichtung, die mit zahlreichen renommierten Bildungseinrichtungen kooperiert und für weitere Partnerschaften – auch mit Rotary – offen ist.

Die landesweite Initiative MINT-Ferien Hessen entstand aus einem Netzwerk von „Jugend forscht in Hessen“, dem Schülerforschungszentrum Nordhessen (SFN) und dem Future Space. Im fünften Jahr koordiniert der Future Space ein abwechslungsreiches, kostenloses Ferienprogramm für Menschen von 10 bis 18 Jahren rund um Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Engagierte Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, als Möglichmacher Teil des Netzwerks zu werden. Förderer und Mitinitiator Lukasz Gadowski investiert aus persönlicher Verbundenheit mit Kassel und seinem früheren Lehrer und Mentor Klaus-Peter Haupt in „Bildung für alle“.

Zielgruppe
Menschen von 10 bis 18 Jahren
Kontakte
Cornelia Kramm-Rettberg (conny@futurespace.org) · Philipp Imhof, Club Kassel-Hofgeismar (philipp.imhof@kultus.hessen.de)
Hintergrund
Lukasz Gadowski
Angebote
Schülerforschungszentrum Nordhessen (SFN) · Future Space · MINT-Ferien Hessen
Interview mit Philipp Imhof

Im Gespräch

Philipp Imhof – MINT-Ferien

Eigene Fragen erforschen, Experimente entwickeln und Ergebnisse verständlich präsentieren: Philipp Imhof stellt das Schülerforschungszentrum Nordhessen, den Future Space und die MINT-Ferien vor. Die Angebote eröffnen Jugendlichen kostenfreie Zugänge zu Forschung und Technik.

Begleitartikel zum Video als PDF
MINT & BildungLernzentrumPraxisbeispiel

TUMO Frankfurt

TUMO ist ein innovatives Lernzentrum für Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren. Außerhalb der Schule entwickeln sie im eigenen Tempo und kostenlos digitale und kreative Fähigkeiten. Sie wählen selbstbestimmt aus bis zu zehn Themenfeldern wie Robotics, Programmieren oder Grafikdesign.

Schwerpunkte
MINT-Förderung, Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit in Frankfurt Rhein-Main
Club
Sponsor: RC Frankfurt am Main
Kontakt
Dr. Aurelio Fichter (aurelio.fichter@rotary-frankfurt-am-main.de)
Link
TUMO Frankfurt
Interview mit Dr. Aurelio Fichter

Im Gespräch

Aurelio Fichter – Freiheit, TUMO

Freiheit ermöglicht Begegnung, eigenes Denken und die Entfaltung persönlicher Potenziale. Aurelio Fichter beschreibt die Verantwortung von Rotary und zeigt am Beispiel von TUMO Frankfurt, wie Jugendliche selbstbestimmtes Lernen erleben können.

Begleitartikel zum Video als PDF
Bildung & TeilhabeMentoringPraxisbeispiel

Patenschaften Berufsbildung

Schülerinnen und Schüler aus Intensivklassen einer Frankfurter Integrierten Gesamtschule werden mit Bewerbungstraining, Praktikumsvermittlung, Vorbereitung und Begleitung des Praktikums unterstützt.

Rotarierinnen und Rotarier begegnen jungen Menschen, unterstützen sie im Gespräch und sind Vorbilder für rotarische Werte und soziales Engagement. Im Mittelpunkt steht Empowerment.

Aufwand
Gespräche mit Lehrkräften, Bewerbungsworkshop, Treffen mit den Schülerinnen und Schülern, Kontakte und Vor-Ort-Gespräche mit Praktikumsbetrieben sowie Abschlussgespräche
Club
RC Demokratie leben
Kontakte
Claudia Bernard (claudia@bernard-bordeaux.com) · Barbara Roscher (barbara.roscher@t-online.de)
Lesen & frühe BildungVorlesenSkalierbares Konzept

Bücherkids – ein Vorleseprojekt in Kita und Grundschule

Initiiert von Dr. Cornelia Andriof wurde ein Konzept zum Vorlesen entwickelt. Die Erfahrungen wurden skaliert; von Kindern und Erzieherinnen gab es ausschließlich positive Rückmeldungen.

Club
RC Oberursel
Kontakt
Cornelia Andriof (candriof@kraft-partners.de)
Link
Bücherkids beim RC Oberursel
Lesen & frühe BildungSpende / Hands-onErprobtes Konzept

Bücherspende

Eine jährliche Geldspende ermöglicht einer Kita mit 100 Kindern – mehr als 90 Prozent sprechen Deutsch nicht als Muttersprache – die Anschaffung von Büchern. Die Bücher werden ausgeliehen, sodass die Kinder und ihre Familien ihre Deutschkenntnisse vertiefen können. Jahr für Jahr werden bis zu 1.000 Personen erreicht; der Kontakt zur Kita führt zu weiteren Projekten.

Kooperation
Rotary und externe Einrichtung
Aufwand
Spende in beliebiger Höhe
Kontakt
Rolf Kieckebusch, RC Kassel-Wilhelmshöhe (rolf.kieckebusch@kirix.de)
Quelle
Bericht im Rotary Magazin
Integration & JugendMusikworkshopPraxisbeispiel

Gitarren-Ukulelen-Workshop „Musik verbindet“

Das Integrationsprojekt an einer Integrierten Gesamtschule in Frankfurt bietet Kindern und Jugendlichen nachmittags Gitarren- und Ukulelenunterricht. Sach- und Geldspenden für zusätzliche Leihinstrumente ermöglichen ihnen, auch zu Hause zu üben.

Club
RC Demokratie leben
Kontakte
Claudia Bernard (claudia@bernard-bordeaux.com) · Barbara Roscher (barbara.roscher@t-online.de)
Prävention & SchuleTheaterpädagogikErprobt seit 2010

Gewaltprävention an Schulen im Usinger Land

Der Rotary Club Usingen beschloss 2010, an den fünf weiterführenden Schulen im Usinger Land ein Gewaltpräventionsprojekt anzubieten. Projektpartner wurde People’s Theater aus Offenbach, dessen Arbeitsweise den Club überzeugte, weil sie die Zielgruppe erreicht.

Club
RC Usingen
Kontakt
Friedhelm Westebbe (f.westebbe@t-online.de)
Link
Projektseite
Europa & JugendAustausch / RYLAProgrammansatz

CORE und RYLA

Rotary unterstützt die europäische Idee durch grenzüberschreitende Projekte im Rahmen von „Cooperation of Rotarians for Europe“: europäisch organisierter Schüleraustausch und RYLA sowie neue Clubpartnerschaften.

Ebene
Rotary-intern, distrikt- und länderübergreifend
Europa & JugendJugendprogrammWiederkehrendes Programm

European Rotary Summer Youth Program

E4E ist ein dreiwöchiges europäisches Jugendprogramm für junge Erwachsene von 18 bis 21 Jahren. Sie entdecken Luxemburg, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Deutschland und Italien und erleben die Begegnung von 27 Nationalitäten. Das Programm findet alle zwei Jahre statt; der neunte Durchgang beginnt im Sommer 2026.

Zielgruppe
Junge Erwachsene von 18 bis 21 Jahren
Link
Europe 4 Europe
Europa & VernetzungProgrammbündelIn Entwicklung

Europa mit Rotaract

Im Gespräch sind Transparenz über die rotarischen Verbindungen in Europa, die Vernetzung des Distrikts mit CORE, dem Satellite Club Como Menaggio und der Villa Vigoni sowie eine Europa-Konferenz mit ICCs anlässlich 100 Jahre Rotary in Deutschland im Herbst 2027. Klaus Brodbeck ist als Lead für die Konferenz genannt.

Kontakt
Frank Lehmann, RC Kassel, Projektleiter Europa (fuflehmann@t-online.de)
Integration & ErinnerungMuseum / AusstellungAnknüpfbares Angebot

Integrationsmuseum

Kernthema des Integrationsmuseums, das aus dem Waldenserhaus und dem Museum im Haus besteht, sind Glaubensflüchtlinge, Migration und kulturelle Integration. Begleitet, vorgestellt und bearbeitet werden die Themen mit Sonderausstellungen.

Club
RC Bad Homburg Schloss
Links
Projektseite · RC Bad Homburg Schloss
Empowerment & TeilhabeHands-onPraxisbeispiel

Women Empowerment by Cycling

Das Projekt fördert die persönliche Entwicklung von Frauen, unterstützt Sprachkenntnisse und Austausch und trägt so zu einem offeneren und vielfältigeren Deutschland bei.

Club
Rotary Club Friedrichsdorf
Links
Projektseite · RC Friedrichsdorf
Inklusion & GesundheitGroßveranstaltungPraxisbeispiel

Down-Sportlerfestival

Als dem Deutschen Down-Sportlerfestival Anfang 2022 durch den Wegfall der Sportstätte und den Ausstieg des Hauptsponsors eine ungewisse Zukunft drohte, setzte der Rotary Club Wetzlar sein Netzwerk in Mittelhessen ein, um dem weltweit größten Sportfestival für Menschen mit Downsyndrom ein neues Zuhause zu geben.

Club
RC Wetzlar
Links
Projektseite · RC Wetzlar
Gesundheit & JugendFortbildung / AktionstagPraxisbeispiel

Diabetiker Kids

Das Projekt hat zwei Säulen: Fortbildungen für Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer sowie Sportübungsleiterinnen und Sportübungsleiter; dazu „Active Tage“ mit einem interessanten Programm für Kinder und Jugendliche unter ärztlicher Begleitung.

Club
RC Bad Orb
Links
Projektseite · RC Bad Orb
Gesundheit & ResilienzAktionstagPraxisbeispiel

Demmeln gegen Depressionen – Radeln für mehr Lebensfreude

Der RC Fulda Paulustor unterstützte den Aktionstag des Bündnisses gegen Depressionen e. V. Fulda am 19. August 2023. Für die rund 50 Kilometer lange Radtour von Fulda nach Flieden und zurück, die gemeinsam mit dem ADFC stattfand, sponsorte der Club Warnwesten. Die 40 Teilnehmenden – von Depression Betroffene und Nicht-Betroffene – konnten die Westen auch danach weitertragen.

Club
RC Fulda Paulustor
Links
Projektseite · RC Fulda Paulustor
Gesundheit & JugendFörderungErprobte Initiative

Gesunde Kids

Seit über 20 Jahren setzt sich der gesundekids e. V. dafür ein, Kinder auf ihrem Weg zu einem gesunden Leben zu begleiten. Die 2005 von Rotary Clubs in Hessen gegründete gemeinnützige Initiative arbeitet unter dem Motto „Fit fürs Leben“.

Bundesweit werden Projektideen gefördert, die die körperliche und seelische Gesundheit von Kindern zwischen drei und zwölf Jahren stärken. In Kitas, Schulen und in der Öffentlichkeit werden Eltern, Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher für gesunde Ernährung, mehr Bewegung und positives Denken sensibilisiert.

Zielgruppe
Kinder von drei bis zwölf Jahren
Kontakte
Heidemarie Krüger, RC Baunatal · Catharina Maulbecker-Armstrong, RC Oberursel · Büro (office@gesundekids.de)
Link
gesundekids e. V.
Wasser & GesundheitBenefizlaufPraxisbeispiel

Wetterauer Wasserlauf

Im Rahmen der sieben Schwerpunkte der Rotary Foundation bildet „Wasser, sanitäre Grundversorgung und Hygiene“ die Grundlage des langjährigen Engagements des RC Bad Nauheim-Friedberg und den Anlass für den Wasserlauf.

Club
RC Bad Nauheim-Friedberg
Links
Projektseite · RC Bad Nauheim-Friedberg
Bildung & NachhaltigkeitHands-on / FörderungPraxisbeispiel

Ein Schulgarten für die Kohlheckschule

Von Beginn an stand der Gedanke im Mittelpunkt, Kräfte zu bündeln, Ressourcen effizient einzusetzen und gemeinsam mehr zu erreichen. Die Finanzierung des Schulgartens ist nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern Ausdruck gelebter rotarischer Zusammenarbeit.

Clubs
RC Wiesbaden, RC Wiesbaden-Nassau, RC Wiesbaden-Kochbrunnen, RC Wiesbaden-Rheingau und RC Wiesbaden-Rhein-Main
Link
Projektseite
VeranstaltungskompetenzKonzeptionKontakt vorhanden

Kompetenz in Veranstaltungen

Gunter Geiger von der Katholischen Akademie des Bistums Fulda organisiert seit Jahren erfolgreich unterschiedlichste Bildungsveranstaltungen. Denkbar sind beispielsweise Intercity-Meetings, bei denen ein gemeinsames Programm an verschiedenen Orten im Distrikt stattfindet. Als weiteren Kontakt empfiehlt er den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Kassel mit Vorstand Wolfgang Schneiderhan.

Kontakt
Gunter Geiger, RC Fulda (gunter.geiger@bistum-fulda.de)
Frieden & ForschungVortragSpeaker benannt

Die Welt im Wandel verstehen: Wie wir denken, wie wir fühlen

Frieden und Konflikte aus Sicht der Hirnforschung und Endokrinologie.

Speaker
Thilo Brinkmann, RC Kassel-Wilhelmshöhe (thilobrinkmann@icloud.com)
Digitaler WandelVortrag / DialogSpeaker benannt

KI – Was sie ist und was sie verändert

Ein Vortragsangebot über künstliche Intelligenz und die Veränderungen, die sie auslöst.

Speaker
André Dammeyer, RC Bad Homburg (Andre.Dammeyer@eBizCon.de) · Thilo Brinkmann, RC Kassel-Wilhelmshöhe (thilobrinkmann@icloud.com)
Wirtschaft & WandelVortragSpeaker benannt

Wie gehen Konzerne und die Wirtschaft mit dem Wandel um?

Perspektiven aus Konzernen und Wirtschaft auf Wandel und Transformation.

Speaker
Thilo Brinkmann, RC Kassel-Wilhelmshöhe (thilobrinkmann@icloud.com) · Frank Lehmann, RC Kassel (fuflehmann@t-online.de)
Sicherheit & DemokratieVortragSpeaker benannt

Die Sicherheitslage – gefühlt und objektiv

Torsten Krückemeier bietet eine Einordnung der Sicherheitslage. Er verfügt außerdem über Kontakt zu einer Holocaust-Überlebenden und über Schulmaterial.

Speaker
Torsten Krückemeier, Polizeipräsident Gießen, RC Gießen Altes Schloss (Torsten.Krueckemeier@polizei.hessen.de)
Interview mit Torsten KrückemeierInterview zum Lesen
Porträt von Torsten Krückemeier

Torsten Krückemeier

RC Gießen Altes Schloss · Polizeipräsident Gießen

Über Dekaden lebten wir in Freiheit und Frieden. Doch nun scheint unsere Sicherheit fragil. Claus Peter Müller v.d. Grün, Peace Chair im Distrikt 1820, spricht darüber mit rotarischen Freundinnen und Freunden, die gerne mit den Clubs kooperieren.

Lieber Torsten Krückemeier, die Welt ist geopolitisch, technologisch und ökonomisch im Umbruch. Wächst damit auch die gefühlte Unsicherheit der Menschen in Deutschland, zum Beispiel die Angst, Opfer einer Straftat zu werden?

Die Welt wird komplexer und Veränderungen vollziehen sich, zumindest in unserer Wahrnehmung, immer rasanter. Die Zusammensetzung unserer Gesellschaft und unser Zusammenleben haben sich im letzten Jahrzehnt, zuletzt auch durch die Pandemie, stark verändert. Diese Herausforderungen verunsichern viele Menschen, obwohl wir objektiv nach wie vor in einem sehr sicheren Land leben. Interessanterweise zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V., dass die Kriminalitätsfurcht der Bevölkerung in Deutschland von 2005 bis 2023 eher ab- als zugenommen hat. Das Bild, was sich in den Medien und der Öffentlichkeit abzeichnet, spiegelt dies in meiner Wahrnehmung leider nicht so wider. Ein Verstärker ist sicherlich auch, dass wir mittlerweile einzelne Taten über verschiedene Medien mehrfach wahrnehmen, ohne dass wir in der Lage dazu wären, die Doppelungen herauszufiltern.

Vor was und vor wem haben denn die Menschen Angst?

Wir Menschen haben Angst vor Veränderungen und dem Ungewohnten. Daneben erfahren wir heutzutage viel schneller und viel häufiger von Straftaten, die uns grundsätzlich gar nicht tangieren. Ein Tötungsdelikt auf dem amerikanischen Kontinent hat grundsätzlich wenig Einfluss auf unsere objektive Sicherheit in Deutschland. In unserer Wahrnehmung wird die Welt dadurch dennoch „schlechter“ und unser Sicherheitsempfinden kann leiden.Insofern ist es wichtig, dass wir uns beim Konsumieren von Nachrichten oder Postings der „sozialen Medien“ sehr bewusst machen, um was für einen Sachverhalt es sich handelt. Hat sich dieser in Deutschland abgespielt? Bestand zwischen der geschädigten Person und der beschuldigten Person zuvor eine wie auch immer geartete Beziehung? Ist es die Erstmeldung oder habe ich den Sachverhalt schon mehrfach gehört?

Entspricht die objektiv messbare Lage also der subjektiv gefühlten Lage oder nicht?

Die Polizei unterscheidet bei der Erfassung von Kriminalität zwischen dem Hell-, den zur Anzeige gebrachten Straftaten, und dem Dunkelfeld. Das Bundeskriminalamt versucht das Dunkelfeld regelmäßig durch periodische Befragungen zu erhellen. Insgesamt muss man festhalten, dass sich die Kriminalität stark in den virtuellen Raum verlagert hat, weil dort die Entdeckungswahrscheinlichkeit geringer ist. Zugleich ist insbesondere die Zahl der Delikte der Straßenkriminalität rückläufig. Insofern besteht ein großer Unterschied zwischen der objektiv messbaren Lage und dem Sicherheitsempfinden der Bevölkerung, welches man im Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern erfährt. Umso spannender finde ich die oben genannte repräsentative Studie zur Kriminalitätsfurcht.

Welche Personen oder Gruppen haben das größte Risiko, Opfer einer Straftat durch wen zu werden?

Das ist eine sehr abstrakte Frage, deren Beantwortung sehr umfangreich würde. Tendenziell kann man sicherlich sagen, dass im Bereich der Vermögensdelikte Straftaten zum Nachteil älterer Menschen, sogenannte Enkeltrickbetrügereien, nach wir vor sehr weit verbreitet sind. Im Bereich der Gewaltkriminalität stellen wir wiederkehrend fest, dass sich Täter und Opfer regelmäßig vorher kannten und die Tat durch einen aus dieser Beziehung entstandenen Konflikt ausgelöst wird. Hier kann man beispielsweise an Drogendelikte denken. Das dramatische daran ist, dass die Tat, soweit diese in der Öffentlichkeit stattfand, unser Sicherheitsgefühl negativ beeinflusst, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass wir Opfer werden, relativ betrachtet eher gering ist.

Welche Folgen hat es, wenn tatsächliche und gefühlte Sicherheitslage auseinanderdriften?

Es liegt in der Natur der Sache, dass die objektive Lage selten mit dem Sicherheitsgefühl übereinstimmt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es sich zwangsläufig um ein schlechteres Gefühl handeln muss, als dies die objektiven Daten darstellen. Wenn die gefühlte Sicherheit schlecht ist, kann dies dazu führen, dass sich die Menschen aus dem öffentlichen Raum zurückziehen. Die Kriminologie beschreibt dies sehr schön in der Theorie der sozialen Desorganisation. Diese geht davon aus, dass Örtlichkeiten, aus denen sich die „gesetzestreue“ Mehrheitsgesellschaft zurückzieht, von anderen Gruppen eingenommen werden und sich der Zustand dann aufgrund der schlechten informellen Sozialkontrolle tatsächlich verschlechtert.

Was können und sollten Politik, Polizei aber auch Rotary tun, um die Wirklichkeit und das Bild von ihr zur Deckung zu bringen?

Wir tun alle gut daran, unsere Gefühle zu überprüfen. Es ist unstrittig, dass sich die Gesellschaftsstruktur und das wahrnehmbare Bild von beispielsweise Fußgängerzonen in den letzten beiden Jahrzehnten verändert hat. Dies hat jedoch nicht zwangsläufig dazu geführt, dass sich die Sicherheitslage verschlechtert hat. Insofern müssen wir aktiv mit der Bevölkerung in den Austausch gehen und öffentlich Plätze wieder verstärkt zum sozialen Austausch nutzen. Wir müssen gemeinsam positive Erlebnisse schaffen und alle Gesellschaftsschichten zu einem gewinnbringenden Zusammenleben zurückgewinnen.

Also feiern wir als Rotary ein Straßenfest an einem Ort, von dem sich die Mehrheitsgesellschaft zurückgezogen hat?

Auch wenn es merkwürdig klingt, warum nicht? Allerdings wird ein einziges Straßenfest sicherlich nicht ausreichen. Es geht darum, dass wir unser soziales Zusammenleben wieder mehr in den öffentlichen Raum als vor die Bildschirme verlagern. Zumindest dann, wenn wir etwas ändern wollen.

Stehen Sie als Referent oder Diskussionspartner bereit?

Allein schon aus beruflichem Interesse aber insbesondere aus eigener Überzeugung - selbstverständlich.

Das Gespräch führte Claus Peter Müller v.d. Grün, Peace Chair im Distrikt 1820.

Frieden & KulturVortrag / DiskussionAusgestaltung offen

Frieden – aus theologischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive

Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck i. R. und Mitglied des RC Kassel, sowie Lars Hillebold, Leiter des Michaelisklosters in Hildesheim, haben Unterstützung angeboten. Der konkrete Beitrag ist noch zu vertiefen; Lars Hillebold regte außerdem den Kontakt zu einem Militärdekan an.

Kontakte
Martin Hein (martinhein@gmx.de) · Lars Hillebold (Lars.Hillebold@evlka.de)
Geopolitik & SicherheitVortrag / WorkshopSpeaker benannt

Die Welt im Wandel – geopolitische und verteidigungspolitische Herausforderungen

Vorträge und Workshops zu geopolitischen und verteidigungspolitischen Herausforderungen.

Speaker
Armin Staigis, General a. D., RC Chemnitz-Schlossberg (Staigis@web.de)
Interview mit Armin StaigisInterview zum Lesen

Im Gespräch

Armin Staigis – Ernstfall Europa

Frieden und Demokratie stehen unter Druck – von außen wie von innen. Armin Staigis wirbt für ein handlungsfähiges Europa und eine offene Debatte darüber, wofür unsere Gesellschaft einsteht.

Begleitartikel zum Video als PDF
Porträt von Armin Staigis

Armin Staigis

RC Chemnitz-Schlossberg · General a. D.

Über Dekaden lebten wir in Freiheit und Frieden. Doch nun scheint unsere Sicherheit fragil. Claus Peter Müller v.d. Grün, Peace Chair im Distrikt 1820, spricht darüber mit rotarischen Freundinnen und Freunden, die gerne mit den Clubs kooperieren.

Lieber Armin, Du tourst durch Deutschland zu Rotary Clubs, hältst dort Vorträge oder stellst Dich als Diskussionspartner mit dem Thema „Ernstfall Europa“ zur Verfügung. Was treibt Dich an, das zu tun?

Während meines 45-jährigen beruflichen Lebensweges habe ich versucht, das in meinen Kräften Stehende zu tun, um für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, aber auch für die Völker anderer Länder, zum Beispiel auf dem Balkan, in Afrika und in Afghanistan, „Frieden in Freiheit“ zu schützen oder diesen Zustand zu schaffen. Wie bekannt, ist dies bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr nur sehr eingeschränkt gelungen. Heute, nach meinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst vor zehn Jahren, sehe ich den Frieden in Freiheit für unserer Land so stark gefährdet wie seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr durch Kräfte von außen und von innen sowie in deren Zusammenwirken. Ich betrachte es daher als meine Pflicht, mit unseren Mitbürgern dazu ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Lösungswege zu entwickeln, um unsere freiheitliche Lebensordnung für uns, unsere Kinder und Enkel zu bewahren und zu stärken – im Sinne von „Stark für Teilhabe, Freiheit und Frieden.“

Ernstfall Europa – was verbirgt sich hinter dieser Aussage?

In einer Welt, in der die nach dem Zweiten Weltkrieg mühsam geschaffene regelbasierte internationale Ordnung zunehmend durch eine autokratische Großmachtpolitik abgelöst wird, muss das freie Europa nun endlich seiner eigenen Verantwortung für den Frieden in Freiheit auf diesem Kontinent gerecht werden. In Europa führt Russland seit über vier Jahre einen Angriffskrieg gegen die gesamte Ukraine. Für die Zukunft europäischer Sicherheit dürfte der Ausgang des Krieges in der Ukraine zur Wegmarke werden. Das benenne ich als den „Ernstfall Europas“.

Du wirbst für mehr militärische Stärke Deutschlands und der Europäer. Aber sichern wir den Frieden denn nur durch militärische Stärke? Müssen wir nicht auch – neben wirtschaftlicher – politische Macht aufbauen, die wir außenpolitisch zur Stärkung von Regeln und Frieden einsetzen können?

Ja, ich trete ein für eine einsatzbereite Bundeswehr, die in der Lage ist, im Zusammenwirken mit unseren Verbündeten das freie Europa zu verteidigen und jeden möglichen Aggressor auf diese Weise abzuschrecken. Den Fehler, sich in der Landes- und Bündnisverteidigung noch einmal „blank“ zu machen, dürfen wir nicht noch ein zweites Mal begehen. Aber das allein wird keineswegs reichen. Das freie Europa, die Europäische Union und damit auch Deutschland, müssen politisch geeint, ökonomisch, technologisch gestärkt, ökologisch zukunftsgewandt, aber auch militärisch und resilient unter den veränderten globalen Machtverhältnissen ihrer Verantwortung zukünftig gerecht werden können - und wollen.

Hierzu das Wichtigste am Schluss: Wir als freie Europäer müssen uns selbst immer wieder klarmachen, wofür wir stehen, für Frieden, Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit. Das sind keine Floskeln, das ist der „Sauerstoff“ unseres Lebens, unseres Zusammenlebens.

Welche deutsche Armee hat bisher ihren Auftrag am besten erfüllt?

Darauf habe ich eine klare Antwort mit Blick auf die deutsche Geschichte seit 1871: Es ist die Bundeswehr der Jahre 1955 bis 1990. Berufs- und Zeitsoldaten, aber besonders die Wehrpflichtigen dieser Jahre haben Westdeutschland und dem freien Westen den Frieden in Freiheit gesichert gegen einen hochgerüsteten Warschauer Pakt - ohne einen einzigen Schuss abgeben zu müssen! Diese Soldaten haben noch viel mehr geleistet und dazu beigetragen, dass die Spaltung des europäischen Kontinents überwunden und die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes erreicht werden konnte!

Lieber Armin, wie kann man Dich erreichen? Was muss ein Club oder was müssen Clubs, die Dich einladen wollen, vorbereiten, oder bringst Du einen Moderator oder gleich ein ganzes Team mit?

Ich komme sehr gerne mit Menschen ins Gespräch, auch um eigene Überzeugungen und Meinungen immer wieder überprüfen und anpassen zu können, was ich in diesen schwierigen Zeiten für besonders wichtig und wertvoll halte. Ich gehe gerne in Rotarische Clubs oder auch zu Distriktkonferenzen, aber ebenso gern in Schulklassen, um mit Jüngeren zu diskutieren, oder in andere zivilgesellschaftlich engagierte Gesprächsforen. Ich komme auch allein zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion. Lieber jedoch habe ich einen Moderator als Gesprächspartner an meiner Seite, mit dem ich dann gemeinsam Zuhörerinnen und Zuhörer ins Gespräch einbinden kann. Wenn gewünscht, versuche ich auch ein Podium mit zusammenzustellen Man kann mich per Mail unter Staigis@web.de erreichen. Ich verspreche, jeder bekommt zügig eine Antwort.

Das Gespräch führte Claus Peter Müller v.d. Grün, Peace Chair im Distrikt 1820.

ResilienzVortrag / DialogSpeakerin benannt

Krise als Normalfall – Resilienz im Dauerstress

Ein Vortragsangebot zum Umgang mit andauernden Krisen und Belastungen.

Speakerin
Astrid von der Malsburg, RC Frankfurt-Paulskirche, Honorarkonsulin von Estland (honorarkonsulin@estland-hessen.de)
Interview mit Astrid von der MalsburgInterview zum Lesen
Porträt von Astrid von der Malsburg

Astrid von der Malsburg

RC Frankfurt Paulskirche · Honorarkonsulin von Estland in Hessen und Rheinland-Pfalz

Über Dekaden lebten wir in Freiheit und Frieden. Doch nun scheint unsere Sicherheit fragil. Claus Peter Müller v.d. Grün, Peace Chair im Distrikt 1820, spricht darüber mit rotarischen Freundinnen und Freunden, die gerne mit den Clubs kooperieren.

Liebe Astrid, bis 1989 lebten die Deutschen an der Nahtstelle von Ost und West zwischen den Militärblöcken, heute leben die Balten an einer Systemgrenze in Europa. Wie lebt es sich dort?

Zunächst ist Estland ein wunderschönes Land an der Ostsee, mit vielen Wäldern und einer bestens erhaltenen mittelalterlichen Hauptstadt, einstmals Hansestadt Reval, heute Tallinn. Die Lebensqualität ist hoch, auch der Tourismus hat sich stark entwickelt, viele junge Menschen sorgen für erfolgreiche Digitalisierung und moderne Infrastruktur. Mit dem Angriff der Russen auf die Ukraine werden alte Sorgen wieder wach. Estland hat eine gemeinsame Grenze mit Russland und die meisten Familien leiden bis heute an den Grausamkeiten, die Russen den Esten angetan haben.

Welche Erfahrungen haben denn die Esten mit ihren östlichen Nachbarn gemacht, oder kann man diesen Teil der europäischen Geschichte in Deutschland als allgemein bekannt voraussetzen?

Es ist offensichtlich wichtig, immer wieder zu erinnern. So wie vor kurzem bei der Gedenkveranstaltung zum 85. Jahrestag der Junideportation vom 14. Juni 1941 für die Opfer des Kommunismus in Tallinn. Estlands Außenminister Margus Tsahkna erklärte: „Das Böse, das hinter der Junideportation stand, ist nicht verschwunden.“ 1941 sind rund 10.000 Menschen aus Estland nach Sibirien deportiert worden, der Außenminister zog eine direkte Parallele zu den heutigen russischen Deportationen ukrainischer Kinder.

Leben die Menschen im Baltikum in Angst oder in Sorge und Vorsorge?

Das darf ich mit den Worten des estnischen Verteidigungsministers Hanno Pevkur vpm April 2026 beantworten: „We are not afraid, we are prepared.“

Sind Angst und Vorsorge im Baltikum, ja rund um die gesamte Ostsee berechtigt?

Natürlich sind Ängste berechtigt, Russland ist im Gegensatz zu Estland ein riesiges Land mit gewaltiger Kriegsproduktion. Die Russen haben schon mehrfach betont, dass ihnen die Baltischen Staaten eigentlich zustehen, wie die Ukraine ja auch. Da Estland NATO Mitglied ist, scheint die Bedrohung zwar ernst, aber nicht sehr realistisch.

Du meinst, die NATO und ihre Abschreckungskraft erfüllen ihre Funktion?

Mittlerweile tut sich viel, dank des unermüdlichen Einsatzes der Ukrainer gewinnen die NATO Partner Zeit, im Turbomodus aufzurüsten. Das geschieht zur Zeit massiv – die Öffentlichkeit wird aus naheliegenden Gründen darüber nicht aufgeklärt. Die militärischen Vertreter der NATO reisen ausgerechnet in die Ukraine ,um sich dort über die neueste Kampftechnik zu informieren. Estland ist sozusagen die „Eliteeinheit“ in der NATO und koordiniert die wichtigsten Einsätze, insbesondere was die Cybersicherheit anbelangt.

Was können wir in Deutschland von den Balten lernen?

Eine Menge: die Esten hatten bisher keine Zeit, sich auf dem Erreichten auszuruhen, obschon sie sehr erfolgreiche Unternehmen haben und als digitalisierteste Nation in der EU gelten. Die Esten sind aufgrund ihrer historischen Erfahrungen mit den Russen äußerst resilient geworden, sie haben die Bedrohungslage immer ernst genommen, blieben wachsam und haben den Wehrdienst nie abgeschafft. Außerdem nehmen die Esten bei allen PISA Rankings obere Plätze ein, weil sie sich ganz anders um die Ausbildung ihrer Kinder kümmern als andere in der EU.

Schürst Du mit dem Hinweis auf das „vorbereitet sein“, auf die psychische und physische Resilienz der Esten nicht vor allem die Angst in der deutschen Gesellschaft?

Die Angst der Gesellschaft liefert mit der Einstellung „Frieden schaffen ohne Waffen“ den Russen eine gute Vorlage, zumindest große Cyberangriffe zu starten. Dann aber könnten die Ängste in der Tat einen realen Bezug erhalten.

Zum Stichwort „Frieden schaffen ohne Waffen“: Haben sich die Einschätzung der Bedrohungslage und die Verteidigungsbereitschaft der Deutschen nicht grundlegend verändert?

Ganz bestimmt, mittlerweile werden in ganz Deutschland Übungen abgehalten, vor allem was die zivile Verteidigung anbelangt. Vorräte werden überprüft und ganz gewiss nicht mehr reduziert, wie damals. Allerdings scheint der Alarmmoment in der Öffentlichkeit grad wieder zu verblassen. Krieg ist unangenehm und kommt insbesondere in Ferienzeiten höchst ungelegen. Die Bundeswehr macht hingegen keine Ferien, dazu ist einfach keine Zeit.

Was schlägst Du vor, was wir tun können, um Freiheit in Frieden in Europa zu sichern?

Wir müssen auf allen Ebenen in der Lage sein, uns zu verteidigen. Nur wer umfassende zivile und militärische Verteidigung aufbietet, kann den Frieden sichern. Alles andere reizt zum Angriff, das war in der Geschichte schon immer so. Demokratie und Frieden gibt es nicht umsonst.

Stehst Du bereit, Vorträge zu halten, an Diskussionsrunden teilzunehmen und andere Aktivitäten zu unterstützen?

Gerne, es ist mir ein persönliches Anliegen, die Erfahrungen aus den baltischen Ländern zu teilen. Das mache ich schon seit Jahren, wie zum Beispiel die Organisation des NB8 Forums in Hessen, das auch dieses Jahr wieder ein zentrales Anliegen der Nordischen und Baltischen Staaten diskutiert – zuletzt war das Thema: „Zivile Verteidigung am Beispiel der Nordischen und Baltischen Staaten“ – wir gehörten damit zu den Ersten, der Zuspruch war riesig.

Liebe Astrid, vielen Dank für das Gespräch.

Mailadresse: buero@estland-hessen.de

Das Gespräch führte Claus Peter Müller v.d. Grün, Peace Chair im Distrikt 1820.

Medien & SicherheitVortragSpeakerin benannt

Desinformation als Instrument des hybriden Krieges

Militärhistorikerin und Strategieanalystin mit Schwerpunkt Luftkrieg und moderne Operationsführung, promoviert an der Universität Potsdam.

Speakerin
Dr. Milena A. Jaksic, RC Frankfurt am Main International (jaksicmilenaa@gmail.com)
Interview mit Dr. Milena A. JaksicInterview zum Lesen

Im Gespräch

Milena Jaksic – Hybride Kriegsführung

Hybride Kriegsführung richtet sich auch gegen unsere Wahrnehmung und Urteilsfähigkeit. Milena Jaksic erklärt, warum Quellenprüfung, Selbstreflexion und ein kritischer Medienumgang Teil demokratischer Verantwortung sind.

Begleitartikel zum Video als PDF
Porträt von Dr. Milena A. Jaksic

Dr. Milena A. Jaksic

RC Frankfurt International · Militärhistorikerin und Strategieanalystin mit Schwerpunkt Luftkrieg und moderne Operationsführung, promoviert an der Universität Potsdam.

Über Dekaden lebten wir in Freiheit und Frieden. Doch nun scheint unsere Sicherheit fragil. Claus Peter Müller v.d. Grün, Peace Chair im Distrikt 1820, spricht darüber mit rotarischen Freundinnen und Freunden, die gerne mit den Clubs kooperieren.

Liebe Milena, was ist für uns als freie Gesellschaft, die in Frieden leben möchte, akut gefährlicher: Russlands Raketen oder Russlands Desinformation, die auf uns als Gesellschaft und als Individuen zielt?

Russlands Raketen sind die unmittelbarere physische Bedrohung, gerade weil Deutschland seine integrierte Luft- und Raketenabwehr nach jahrzehntelangen Fähigkeitslücken erst wieder umfassend aufbaut. Desinformation greift dagegen etwas anderes an: unsere Wahrnehmungs-, Urteils- und politische Handlungsfähigkeit.

Moderne Verteidigung muss deshalb systemisch gedacht werden. Dazu gehört neben militärischer Verteidigungsfähigkeit auch Resilienz in der Informationsdomäne. Raketen können Menschen töten und Infrastruktur zerstören. Desinformation kann dazu beitragen, dass eine Gesellschaft sich nicht mehr darüber verständigen kann, ob eine Bedrohung überhaupt existiert und wie sie darauf reagieren soll.

Deshalb halte ich die Gegenüberstellung letztlich für irreführend: Wir müssen gegen beides resilient sein.

Bevor wir auf die Desinformation genauer eingehen, ordne sie doch bitte ein als Teil der hybriden Kriegsführung. Was ist ein hybrider Krieg?

Für hybride Kriegsführung gibt es keine vollkommen einheitliche Definition. Im Kern bezeichnet sie aber die koordinierte Verbindung unterschiedlicher militärischer und nichtmilitärischer Instrumente, mit denen ein Akteur politische oder strategische Ziele verfolgt. Dazu können konventionelle militärische Gewalt, Cyberangriffe und Sabotage ebenso gehören wie wirtschaftlicher Druck, geheimdienstliche Operationen, politische Einflussnahme und eben Desinformation.

Das Entscheidende ist für mich dabei nicht die möglichst lange Liste einzelner Instrumente, sondern deren Integration und die damit erzielte Wirkung. Ein Cyberangriff, eine Desinformationskampagne oder wirtschaftlicher Druck sind für sich genommen noch kein hybrider Krieg. Sie werden strategisch besonders relevant, wenn unterschiedliche Mittel aufeinander abgestimmt werden, um Schwachstellen eines Gegners auszunutzen, seine Entscheidungsfähigkeit einzuschränken oder bestimmte politische Reaktionen zu erzeugen.

Ein weiteres Kennzeichen ist die bewusste Nutzung von Grauzonen. Hybride Akteure können versuchen, unterhalb der Schwelle eines offenen bewaffneten Konflikts zu bleiben, Verantwortlichkeiten zu verschleiern oder Unsicherheit darüber zu erzeugen, ob überhaupt ein Angriff stattfindet und wer dahintersteht. Genau hier kann Desinformation eine besondere Wirkung entfalten: Sie muss nicht unmittelbar etwas zerstören. Sie kann Vertrauen untergraben, gesellschaftliche Konflikte verstärken, Entscheidungen erschweren oder die Wahrnehmung anderer Maßnahmen beeinflussen.

Gleichzeitig würde ich davor warnen, den Begriff zu weit zu fassen. Nicht jede Desinformation, jeder Cyberangriff und jede politische Einflussnahme ist automatisch hybride Kriegsführung. Sonst wird irgendwann nahezu jede Form internationaler Konkurrenz zum „hybriden Krieg“ und der Begriff verliert seine analytische Aussagekraft. Entscheidend bleiben Akteur, Absicht, strategischer Zusammenhang und die Kombination der eingesetzten Mittel.

Ist der hybride Krieg eine Erfindung der Gegenwart, der Epoche von Cyberspace und social media?

Nein. Hybride Kriegsführung ist keine Erfindung von Cyberspace und sozialen Medien. Neu sind vor allem die technischen Möglichkeiten, das Tempo und die Reichweite. Das Grundprinzip, militärische Gewalt mit politischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und informationellen Mitteln zu verbinden, ist sehr viel älter.

Der Erste Weltkrieg ist dafür ein besonders anschauliches Beispiel. Militärische Operationen wurden mit Wirtschaftsblockaden, Propaganda, Sabotage, Geheimdienstoperationen und Versuchen politischer Destabilisierung verbunden. Deutschland versuchte etwa, nationalistische und revolutionäre Bewegungen in den Reichen seiner Gegner zu fördern und bestehende gesellschaftliche Konflikte auszunutzen. Die Entente wiederum setzte unter anderem wirtschaftliche Blockade und Propaganda gegen Deutschland ein. Deutschland hat die hybride Kriegsführung also nicht „erfunden“. Der Erste Weltkrieg zeigt aber sehr deutlich, wie unterschiedliche militärische und nichtmilitärische Instrumente bereits damals miteinander kombiniert wurden.

Cyberspace und soziale Medien haben dieses Prinzip nicht geschaffen, sondern seine Skalierbarkeit fundamental verändert. Informationen können heute nahezu in Echtzeit weltweit verbreitet, bestimmte Zielgruppen gezielt angesprochen und bestehende gesellschaftliche Konflikte mit relativ geringem Aufwand verstärkt werden. Technologie wirkt dabei vor allem als Verstärker.

Kurz gesagt: Der Begriff ist neu, das Prinzip ist alt. Neu sind Geschwindigkeit, Reichweite, Präzision und Skalierbarkeit.

Was müssen wir uns nun unter Desinformation vorstellen?

Unter Desinformation verstehen wir bewusst falsche, verfälschte oder aus dem Zusammenhang gerissene Informationen, die gezielt verbreitet werden, um Wahrnehmungen, Einstellungen oder Entscheidungen zu beeinflussen.

Entscheidend ist dabei die Absicht: Nicht jede falsche Information ist Desinformation. Ein Irrtum oder eine versehentlich weitergegebene Falschmeldung wird erst dann zur Desinformation, wenn Täuschung gezielt als Mittel eingesetzt wird.

Hast Du ein konkretes Beispiel für Desinformation?

Ein gutes Beispiel dafür gab es im April 2024: In sozialen Medien verbreiteten sich echte Aufnahmen einer großen Menschenmenge an der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem mit der Behauptung, Palästinenser würden dort den iranischen Raketen- und Drohnenangriff auf Israel feiern. Tatsächlich waren die Aufnahmen bereits am 5. April, während des Ramadan und damit mehr als eine Woche vor dem iranischen Angriff am 13. April, entstanden. Mehrere unabhängige Faktenchecks konnten dies anhand früherer Veröffentlichungen des Videos nachvollziehen.

Dabei muss Desinformation keineswegs frei erfunden sein. Die Bilder waren echt, aber die Geschichte, die mit ihnen erzählt wurde, war falsch. Besonders überzeugend kann gerade diese Verbindung von authentischem Material und falschem Kontext sein: Wir sehen etwas Echtes und sind deshalb eher geneigt, auch die dazugehörige Behauptung für glaubwürdig zu halten.

Worauf zielt Desinformation?

Im Kontext hybrider Kriegsführung geht es bei Desinformation nicht nur darum, Menschen eine einzelne Unwahrheit glauben zu lassen. Das eigentliche Ziel ist, Wahrnehmungen zu verändern und dadurch Einstellungen, Entscheidungen und letztlich Verhalten zu beeinflussen. Dabei muss Desinformation uns nicht einmal von einer bestimmten Gegenerzählung überzeugen. Es kann bereits genügen, Zweifel zu säen, Vertrauen in Institutionen und Medien zu untergraben, bestehende gesellschaftliche Konflikte zu verstärken und gemeinsame Entscheidungsfindung zu erschweren.

Kann Desinformation auch in sich vollkommen widersprüchlich erscheinende Ziele verfolgen, etwa die Stärkung rivalisierender extremistischer Gruppen am rechten und linken Rand des politischen Spektrums?

Ja, absolut. Das ist sogar eine bekannte Strategie von Desinformationskampagnen. Die einzelnen Botschaften müssen nicht miteinander übereinstimmen, solange sie auf denselben strategischen Effekt einzahlen. So können gleichzeitig Narrative am äußersten rechten und am äußersten linken Rand verstärkt werden, obwohl sie sich inhaltlich vollkommen widersprechen.

Das Ziel besteht dann nicht darin, die Gesellschaft von einer bestimmten politischen Position zu überzeugen, sondern bestehende Konfliktlinien zu vertiefen, Polarisierung zu fördern und das Vertrauen in demokratische Institutionen ebenso wie das gesellschaftliche Vertrauen untereinander zu schwächen. Unterschiedliche Gruppen können mit völlig unterschiedlichen, sogar gegensätzlichen Botschaften angesprochen werden und dennoch zum gleichen Ergebnis beitragen.

Was löst die Desinformation in uns aus?

Desinformation wirkt besonders gut, wenn sie starke Emotionen auslöst und dadurch unsere kritische Prüfung der Information beeinflusst.

Besonders wirksam ist Desinformation deshalb häufig dort, wo sie an etwas anknüpft, das bereits in uns vorhanden ist: an Ängste, Vorurteile, Misstrauen oder bestehende Überzeugungen. Was unser eigenes Weltbild bestätigt, prüfen wir oft weniger kritisch als das, was ihm widerspricht.

Die gefährlichste Desinformation ist deshalb nicht unbedingt die offensichtlichste Lüge. Es kann gerade die Geschichte sein, die so gut zu unserem eigenen Weltbild passt, dass wir möchten, dass sie wahr ist. Genau in diesem Moment sollten wir besonders kritisch werden und uns fragen: Warum löst diese Information gerade eine so starke Reaktion in mir aus?

Wie kann ich mich vor Desinformation schützen? Mit Hilfe des Verstands, also durch Wissen, Recherche und Aufklärung, oder mit Hilfe der Psyche?

Beides. Der Schutz vor Desinformation erfordert Medienkompetenz und Selbstreflexion. Wir müssen Quellen prüfen, Informationen einordnen und unterschiedliche Quellen vergleichen. Gleichzeitig sollten wir uns unserer eigenen Vorurteile und emotionalen Reaktionen bewusst sein. Kritisches Denken bedeutet deshalb auch, das eigene Denken kritisch zu hinterfragen.

Was empfiehlst Du jeder einzelnen und jedem einzelnen konkret zu tun, um sich vor Desinformation rational und mental zu schützen?

Ich würde zunächst an unsere staatsbürgerliche Verantwortung erinnern. In einer Demokratie legitimieren wir als Bürgerinnen und Bürger durch Wahlen diejenigen, die politische Entscheidungen in unserem Namen treffen. Diese Verantwortung können wir nur wahrnehmen, wenn wir uns informieren, unterschiedliche Quellen nutzen und bereit sind, auch die eigenen Überzeugungen kritisch zu hinterfragen.

Ein informierter Bürger zu sein ist in einer Demokratie nicht nur ein Recht, sondern auch eine Verantwortung. Dazu gehört auch ein kritischer Umgang mit etablierten Medien.

Gerade der öffentlich rechtliche Rundfunk, den wir über den Rundfunkbeitrag finanzieren, hat einen besonderen Auftrag zu sachlicher, ausgewogener und unabhängiger Information. Auch dort sollten wir Berichterstattung nicht unkritisch übernehmen. Das gilt ebenso für private Medien und erst recht für soziale Medien. Wo Information zugespitzt oder emotionalisiert vermittelt wird, sollten wir besonders darauf achten, zwischen Nachricht, Einordnung und Meinung zu unterscheiden.

Warum ist Dein Thema ein Thema für Rotary?

Rotary steht für Frieden, Verständigung und verantwortliches gesellschaftliches Handeln. Desinformation greift genau dort an: Sie kann Vertrauen untergraben, gesellschaftliche Konflikte verschärfen und Menschen gegeneinander aufbringen.

Gleichzeitig bringt Rotary Menschen mit unterschiedlichen beruflichen, kulturellen und politischen Perspektiven zusammen und schafft einen Raum, in dem wir miteinander im Gespräch bleiben können. Gerade diese Fähigkeit, unterschiedliche Positionen auszuhalten, kritisch zu diskutieren und trotzdem miteinander verbunden zu bleiben, ist ein wichtiger Teil gesellschaftlicher Resilienz.

Deshalb ist der verantwortungsvolle Umgang mit Information für mich auch ein Beitrag zur Friedensarbeit.

Welchen Beitrag kannst Du in den Clubs und im Distrikt leisten, um den Frieden durch Aufklärung zu stärken? Kann man Dich zum Beispiel als Rednerin oder Diskussionsgast buchen?

Ich möchte vor allem daran erinnern, wie wichtig Diplomatie und Gesprächsfähigkeit gerade in einer Welt sind, in der Krieg zunehmend wieder als Mittel der Politik erscheint. Gleichzeitig dürfen wir uns gerade in Deutschland nicht davor scheuen, Krieg als politisches und militärisches Phänomen zu verstehen. Wer Frieden erhalten will, muss auch verstehen, wie Kriege entstehen, wie sie geführt werden und wie man ihnen glaubwürdig begegnen kann.

Der sicherheitspolitische Weckruf kam für Deutschland sehr spät. Aber es ist nicht zu spät, daraus Konsequenzen zu ziehen. Dazu gehören für mich militärische Verteidigungsfähigkeit und glaubwürdige Abschreckung ebenso wie Diplomatie und die Fähigkeit, miteinander im Gespräch zu bleiben. Dabei sollten wir auch die Innere Führung wieder stärker als das verstehen, was sie im Kern sein soll: eine Führungsphilosophie, die selbstständiges Denken, Verantwortungsbewusstsein und Urteilsfähigkeit fördert. Gerade unter den Bedingungen hybrider Bedrohungen sind diese Fähigkeiten von besonderer Bedeutung.

Ich möchte außerdem zu einem besseren Verständnis der Informationsdomäne beitragen. Konflikte werden nicht nur mit Waffen ausgetragen, sondern auch über Wahrnehmung, Information und gesellschaftliche Entscheidungsfähigkeit. Gerade deshalb müssen wir lernen, diese unterschiedlichen Instrumente und ihre Wirkung im Zusammenhang zu verstehen.

Wenn ich dazu als Rednerin oder Diskussionspartnerin in den Clubs und im Distrikt einen Beitrag leisten kann, mache ich das sehr gerne.

Das Gespräch führte Claus Peter Müller v.d. Grün, Peace Chair im Distrikt 1820.

Konfliktlösung & MediationVortrag / WorkshopAnknüpfbares Konzept

Den Frieden suchen, Konflikte lösen

Mediation für Konflikte in Familie, Arbeitswelt, Schule oder Kommune.

Joachim Berger verweist auf die Deutsche Gesellschaft für Mediation, die fertige Konzepte mit Material anbietet: etwa „Clever streiten für Kids“ für Kindergarten und Grundschule oder ein Rathausprojekt. Dabei öffnet der Bürgermeister regelmäßig das Rathaus; Bürgerinnen und Bürger mit einem Konflikt können sich von einem Mediator erklären lassen, was Mediation bedeutet und wie Lösungswege aussehen. Das Format wird bereits in süddeutschen Kommunen eingesetzt.

Kontakt
Joachim Berger, RC Bad Camberg/Idstein, Mediator (joachim.berger@joachimberger.com)
DemokratiegeschichteVortrag / DiskussionSpeaker benannt

Zur Geschichte der liberalen Demokratie oder quo vadis?

Ein Vortragsangebot zur Geschichte und Zukunft der liberalen Demokratie.

Speaker
Stefan Ruppert, FDP, RC Oberursel (Stefan.Ruppert@bbraun.com)
Telefon
0170 8554477
WirtschaftImpuls / DiskussionSpeaker benannt

Wirtschaft vor acht

Ein Vortrags- und Diskussionsangebot zu Wirtschaftsthemen.

Speaker
Markus Gürne, RC Demokratie leben (markus.guerne@web.de)
Demokratie & PräventionVortrag / DiskussionSpeakerin benannt

Extremismus in Deutschland

Gülden Hennemann ist Mitglied des Beraterkreises Islamismusprävention und Islamismusbekämpfung der Bundesregierung.

Die Politikwissenschaftlerin und Orientalistin leitet seit Mai 2020 die Zentrale Koordinierungsstelle für Maßnahmen gegen Extremismus im bayerischen Justizvollzug und die dort angesiedelte Operative Einheit Extremismusbekämpfung. Sie verfügt über Kenntnisse extremistischer, insbesondere islamistischer Ideologien und langjährige nationale und internationale Erfahrung in Radikalisierungsprävention und Extremismusbekämpfung. Nebenberuflich referiert sie zu Extremismus, Islamismus und Entwicklungen des internationalen Terrorismus.

Kontakt
über Monika Bohn, RC Demokratie leben (m.bohn@prosolco.de)
Schule & ZukunftSchulprojektKurzidee

The PioneerAcademy – ein Schulprojekt

Ein Schulprojekt mit Christoph Keese als Ansprechpartner.

Kontakt
Christoph Keese (c.keese-ext@mediapioneer.com)
Vielfalt & NachbarschaftVortrag / GesprächSpeaker benannt

Ein Leben in Vielfalt

Kamil Jagiello ist in Deutschland und Polen zu Hause und beruflich fast auf der ganzen Welt. Er kann das Leben der Nachbarn erklären und Menschen, die dazu bereit sind, die Augen öffnen – auch beim Blick auf sich selbst.

Speaker
Kamil Jagiello, RC Seligenstadt (kamiljagiello@gmx.de)
Diplomatie & VölkerrechtVortrag / DiskussionSpeaker benannt

Wie Staaten miteinander reden: Diplomatie und Völkerrecht in schwierigen Zeiten

Um den Frieden auf zwischenstaatlicher Ebene zu erhalten, ist es zentral, dass Staaten miteinander reden. Wer Gesprächskanäle verschließt und Gesprächsfäden abreißen lässt, riskiert Fehlkommunikation.

Diplomatie ist das klassische Instrument staatlicher Kommunikation und bewegt sich zwischen Form, Empathie und Inhalt. Sie kann diskret und vertraulich erfolgen und ist daher nicht in erster Linie für die Öffentlichkeit gedacht. Je größer die Routinen, desto leichter ist die Verständigung auch über schwierige Fragen. Völkerrecht ist eine besondere Kommunikationsform, mit der Staaten eine gemeinsame Basis finden.

Format
Vortrag mit anschließender Diskussion
Speaker
Thilo Marauhn, RC Gießen, Universität Gießen und Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung (intlaw@recht.uni-giessen.de)
Demokratie & MenschenrechteVortrag / GesprächSpeaker benannt

Geschichten über Begegnungen mit Diktaturen

Die Demokratie ist die einzige die Menschenrechte schützende Staatsform. Jochen Bender berichtet aus beruflichen Tätigkeiten in Südamerika, Südafrika und Osteuropa. Er ist Bevollmächtigter für Frankfurt und Rhein-Main des Fördervereins Berliner Schloss, Mitglied des Frankfurter Zukunftsrats und Vorstandsvorsitzender von Kinder und Werte e. V. in Königstein.

Speaker
Jochen Bender (jbender@kinderundwerte.de)
Kinder & WerteVortrag / GesprächSpeaker benannt

Lässt Deutschland seine Kinder im Stich?

Erfahrungen von Kinder und Werte e. V. in Königstein mit 24 Grundschulklassen. Jochen Bender berichtet aus seiner Arbeit als Vorstandsvorsitzender des Vereins sowie aus seinen beruflichen Tätigkeiten in Südamerika, Südafrika und Osteuropa, seiner Funktion für den Förderverein Berliner Schloss und seiner Mitgliedschaft im Frankfurter Zukunftsrat.

Speaker
Jochen Bender (jbender@kinderundwerte.de)